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2026 – Das Jahr für Open Source?

Das Jahr 2026 wird neue Weichen für Open Source stellen. Wir sammeln die wichtigsten Initiativen und Rechtsakte, die es gilt im Blick zu haben. Happy New Year!


Nach einem turbulenten Jahr 2025 nimmt der Gedanke, dass Open Source zu technologischer Souveränität, zu Innovationen, echter Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit beitragen kann, Fahrt auf.
Doch sind wir auf dem richtigen Weg? Das Jahr 2026 könnte tatsächlich die Weichen dafür stellen, Open Source in Europa breiter, strategischer und politischer zu verankern. Wichtig ist, der Community und den Entwickler:innen von Open Source Inhalten & Digitalen Commons neue Argumente und rechtliche Grundlagen in die Hand zu geben. Nicht nur die großen Tech Konzerne mit ihrem „Business as usual“ zu bedienen, zulasten der Open Source Community. Wichtig ist, dass wir uns zusammentun und Stimmen sichtbar machen. Wir geben einen ersten Überblick:


Vor kurzem sind zwei Calls veröffentlicht worden, bei denen auch die Zivilgesellschaft aufgerufen ist, zeitnah zu nationalen und EU-Strategien ihr Feedback zu geben:

EU „Towards European open digital ecosystems“

In der EU soll es zunehmend eine Open Source Strategie geben. Für die Initiative „Towards European open digital ecosystems“ läuft seit 6. Januar 2026 die Feedback Phase. Noch bis 3. Februar ist es möglich, die dort vorgestellte Strategie für technologische Souveränität zu kommentieren.

Aufgerufen ist u.a. die Open Source Community. Sie soll den Stand von Open Source in der EU darstellen, ihren Wert für private und öffentliche Organisationen, sowie für mögliche Aktionen, die das Europäische Open Source Ökosystem stärken.

Auch wenn der Titel auf Open Source Software hinweist, sind Hardware und andere Commons-Elemente Bestandteil der Initiative. Als Ziel wird ein Ökosystem mit Internettechnologien, Software, Hardware, Cloud, Künstlicher Intelligenz, Cybersecurity und industriellen Anwendungen angegeben.

Leseempfehlung: Die Feedbackseite ist spannend, dort wird bereits häufig auf die Bedeutung von offener Hardware und offener Infrastruktur eingegangen.

Deutschlandstack

Beim Deutschlandstack, der eine „nationale souveräne Technologie-Plattform für die Digitalvorhaben in Deutschland“ zum Ziel hat, läuft vom 16. Januar bis 15. Februar 2026 die zweite Konsultationsrunde. In der ersten Runde vom 01. Oktober bis 30. November 2025 gab es viel Feedback, das inzwischen eingearbeitet ist.

In dieser Beteiligung in zweiter Runde geht es verstärkt um pragmatische Umsetzungsbedingungen, priorisierte Technologiefelder, Standards und Technologien und wie diese zu den strategischen Zielen passen.
Feedback wird auf über GitLab Issues gesammelt.

Wir planen hier ebenfalls eine Einreichung, bezugnehmend auf Commons, in Kooperation mit der Open-Hardware-Allianz und anderen Menschen, die sich dem anschließen möchten.


Neben den Call gibt es mehrere Initiativen und Rechtsakte, an denen gearbeitet wird und von denen wir finden, dass Open Source explizit mitgedacht werden sollte:

Digital Commons European Digital Infrastructure Consortium (DC-EDIC)

Die EU hat ein neues Instrument etabliert, das Digital Commons „European Digital Infrastructure Consortium (EDIC)“. (Ankündigung)

“Die Aufgabe des DC-EDIC besteht darin, ein Mehrländerprojekt zu digitalen Gemeingütern in den Bereichen der gemeinsamen europäischen Dateninfrastrukturen und -dienste und der vernetzten öffentlichen Verwaltung durchzuführen.“ Quelle

Cyber Resilience Act (CRA)

Der Cyber Resilience Act soll für „Produkte mit digitalen Elementen“ einheitliche Cybersicherheitsanforderungen einführen – von der sicheren Entwicklung über Schwachstellenmanagement bis hin zu Updates. Übergeordnet gibt es hier Verbindungen zur Produkthaftungsrichtlinie (siehe unten), welche dieses Jahr ratifiziert wird. Interessant ist hier eine deutlichere Klarstellung der Rollen von Open Source Beitragenden.

EU Produkthaftungsrichtlinie

Die Ende 2024 überarbeitete EU Produkthaftungsrichtlinie erweitert die verschuldensunabhängige Haftung in Richtung digitaler Produkte, inklusive Software, Updates und KI‑Systemen. Ziel ist, Verbraucher:innen besser zu schützen, wenn fehlerhafte Software Schäden verursacht. Bis Dezember 2026 muss die Richtlinie in nationales Recht überführt sein. Es gilt also jetzt die Weichen zu stellen für Open Source.

Für uns stellt sich hier vor allem die Frage, ob Maintainer:innen oder Stiftungen als „Hersteller“ gelten könnten, nur weil sie Dokumentation, Quellcode oder Binaries bereitstellen. Aus Sicht der Open‑Source‑Bewegung muss klar sein: Haftung trifft diejenigen, die ein Gesamtprodukt unter ihrem Namen in Verkehr bringen und wirtschaftlich verwerten – nicht die Community, die Bausteine als digitale Commons bereitstellt.

Wir haben in Unserem Blogbeitrag Warum Tech-Commons sterben“ einen ausführlicheren Einblick gegeben, warum eine Stärkung der Tech Commons nur durch frei Technologie entstehen kann.

Sonstige Initiativen

Abgesehen davon stehen diverse EU-Verordnungen für Künstliche Intelligenz und politische Maßnamen auf dem Plan, in denen Open Source teilweise addressiert wird, oder zumindest betroffen ist. Nezpolitik, Digitalcourage, FSFE und andere aus unserem Netzwerk berichten detailliert hierzu.

Spannend wäre es auch die weiteren Publikationen zur Kreislaufwirtschaftsstrategie im Blick zu halten in der Open Source Hardware bereits thematisiert wird neuerdings. Wir befürworten diese Richtung, es bleibt jedoch spannend wie viel davon in die Realität um gesetzt wird.

Fehlt noch etwas? Dann teilt uns das undbedingt auf Mastodon mit: @OSEGermany@mastodontech.de


Die neuen EU‑Strategien wollen Open Source gezielt für digitale Souveränität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit nutzen.

Das ist ein längst überfälliges Bekenntnis:

Open Source ist wirtschaftlich relevant, nicht nur Hobby.

Liest man die Texte zu Open Source z.B. in der Produkthaftungsrichtlinie, besteht die Gefahr, dass Open Source auf „nicht‑kommerzielle“ Projekte reduziert wird – genau entgegen der Open‑Source‑Definition. Für die Community ist entscheidend, dass Förderprogramme, Beschaffungsregeln und Politikformate kommerziell nutzbare Open‑Source‑Modelle stärken und sich somit nachhaltige Geschäftsmodelle darauf stützen können. Es gilt Maintainer:innen strukturell zu unterstützen und Open Source nicht nur als billige Zuliefererin für große Industriekonzerne zu verstehen.

Eine genauer Analyse dazu findet sich in dieser Publikation aus unserem Netzwerk.

Das neue Jahr steht schon jetzt im Zeichen von Open Source als Wegbereiter für mehr Suveränität und mehr Partizipation.

Lasst uns gemeinsam mitbestimmen, dass es keine Sackgasse wird. Danke an alle Menschen, die diesen Weg mitgestalten.

In diesem Sinne wünschen wir ein erfolgreiches Open Source Jahr 2026.

Bild/Meme Credits:
Tom Dietel, CC-BY-4.0 „Proprietary tech blindfolds freedom“
(Edit digital green version: Martin Schott)

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