Besuch im Ökodorf Sieben Linden

Vor ein paar Tagen hab ich einen Freund besucht, der im Ökodorf Siebenlinden lebt und gerade Vater geworden ist. Meinem Eindruck nach eine perfekte Kombination … es muss sehr schön sein für ein Kind, in Sieben Linden aufzuwachsen, der ganze Ort strahlt eine ruhige und gesunde Kraft aus sowie eine große Nähe zur Natur.

Sieben Linden ist ein sehr erfolgreiches Ökodorf-Projekt das schon weit über 15 Jahre existiert und weiterhin wächst. Im Moment gibt es dort rund 140 Einwohner, die durch ihre Lebensweise in Bezug auf Nahrungs- und Energie-Versorgung (wenn auch nicht vollständig, so aber doch) zu einem sehr hohen Prozentsatz autark sind, mit zunehmender Tendenz.

Waldkindergarten

Waldkindergarten, (c) laif-Agentur

Es gibt dort sogar einen eigenen Waldkindergarten, der mich an meine Zivildienst-Zeit in einem alternativen Kinderladen erinnerte 😉 Der Waldkindergarten wird übrigens auch von Kindern von ausserhalb besucht. Auch für Jugendliche gibt es dort einen eigenen Bereich mit einem Haus mit einem charmanten überdachten Aussen-Wohnzimmer. Nicht weit davon ist ein Bereich für FÖJler mit mehreren gut ausgebauten Wohn-Bauwägen.

Letztere sind in Sieben Linden eine beliebte Standard-Wohnform, die recht gut für Einzelpersonen geeignet ist, es gibt aber auch große Lehmwohnhäuser die für eine ganze Hausgemeinschaft ausgelegt sind.

Beide werden von den Bewohnern selbst bzw. vom dorfeigenen Handwerks-Betrieb gebaut und unter ökologischen Gesichtspunkten hoch optimiert.

Tischlerei / Zimmerei

Tischlerei / Zimmerei

Durch die langjährigen Erfahrungen (pro Jahr wird ca. ein neues Haus dazu gebaut) haben es die Sieben-Lindener zu einer sehr hohen Expertise im Bau von Strohballen-Lehm-Häusern gebracht; immerhin wurde hier das erste dreistöckige Strohballen-Lehmhaus in Deutschland gebaut, dass eine offizielle Zulassung von den Baubehörden erhielt.

Dreistöckiges Strohballen-Lehm-Haus

Dreistöckiges Strohballen-Lehm-Haus

Zweistöckiges Lehmhaus

Zweistöckiges Lehmhaus

Manche der Häuser sind komplett mit Materialien aus der näheren Umgebung (also Lehm und Holz aus dem eigenen Wald) gebaut worden. Sieben Linden ist am Waldrand gelegen, hat also zur einen Seite hin Wald und zur anderen Felder, mit eigenen Äckern und Gärten.

Fassade mit Holzverkleidung

Fassade mit Holzverkleidung, (c) J.Nottebrock

Seit einiger Zeit geht der Trend wohl dahin, die Lehmhäuser aussen mit einer Holzfassade zu versehen um die Wetterfestigkeit zu erhöhen, was den Häusern ausserdem noch eine moderne Optik verleiht, die dem, was man auch in manchen aktuellen Architekur-Magazinen häufig zu sehen bekommt, in nichts nachsteht aber eben zusätzlich noch mit erstklassigen Werten in bezug auf Energie und Nachhaltigkeit aufwarten kann.

Ökologische Bauweise

Ökologische Bauweise

Moderne Architektur

Moderne Architektur, (c) laif-Agentur

Es gibt aber auch noch viele ältere Häuser ohne Holzverkleidung, d.h. nur mit Lehm als Aussenputz (auf Stroh), was, obwohl Lehm feuchteempfindlich ist, bemerkenswerterweise tatsächlich machbar ist, vorausgesetzt man versteht sich auf konstruktiven Nässeschutz (z.B. weit überstehende Dachkanten). Was die Sieben-Lindener offensichtlich meisterhaft beherrschen.

Dieses Haus wurde ausschleisslich mit Materialien aus der näheren Umgebung gebaut !!!

Dieses Haus wurde ausschliesslich mit Materialien aus der näheren Umgebung gebaut !!! (c) J.Nottebrock

Auch Photovoltaik und Solarthermie werden standardmässig eingesetzt und z.Teil auch selbst entwickelt, neben großen Anlagen auf den Häusern sah ich auch einige kleinere Kollektoren.

Eine weitere Technik, die in Siebenlinden sehr hochentwickelt ist und noch fortlaufend weiter verbessert wird, ist die Beseitigung, oder genauer gesagt die Verwertung von Fäkalien. Allein durch den konsequenten Einsatz von Kompost-Klos, was gleichbedeutend ist mit Trocken-Klos, wird eine gigantische Wassereinsparung erzielt was wiederum gleichzeitig die Klärung der verbleibenden Klärwassermenge stark vereinfacht. Die festen Bestandteile hingegen werden in einem erprobten Verfahren kompostiert und gelangen letztlich wieder als Dünger in die Natur. Eine Sache, die sehr charakteristisch ist: In Siebenlinden hat man die Stoffwechselkreisläufen stets mit im Blick und bemüht sich, diese auch konsequent zu Ende zu denken.

Kompostierungs-Anlage

Kompostierungs-Anlage

Durch Kompostierung und Versickerung wird der Gesamt-Wasserbedarf des Dorfes um über 40%  reduziert.

Durch Kompostierung und Versickerung wird der Gesamt-Wasserbedarf des Dorfes um über 40% reduziert. (c) J.Nottebrock

Mancher Zeitgenosse mag aufgrund oberflächlicher Betrachtung beim Thema “Kompostklo” vielleicht die Nase rümpfen. Man sollte sich aber klar machen, dass die Beseitigung von Abfällen und Exkrementen einer großen Gruppe von Menschen zunächst mal ein nicht ganz triviales organisatorisches (und technisches) Problem darstellt und oft als wichtige Grundlage von Siedlungen wie Dörfern oder Städten angesehen wird. So wird z.B. immer wieder gerne die besondere kulturelle Leistung der Römer betont, mit langen Wasserleitungen und Kanalisationen die technische Grundlage für “die ewige Stadt” Rom erschaffen zu haben und damit auch irgendwie zu definieren, ab wann ein Volk als “zivilisiert” gelten kann. Nunja, das gab ihnen dann wohl auch das Recht, diesen riesigen Beton-Moloch (ja, die alten Römer haben den Beton erfunden) sowie das dranhängende Imperium auf Sklaverei und der Ausbeutung anderer Völker zu gründen, die halt als “Barbaren” mit eben jener Zivilisation beglückt wurden. In Sieben Linden hingegen erreicht man diesen Zivilisationsgrad eher durch Köpfchen und dafür auf friedliche Weise 😉

Äusserst bemerkenswert ist auch das Wirtschaftssystem, weil es sehr auf Schaffung lokaler Wirtschaftskreisläufe ausgerichtet ist. Ein sehr großer Teil der Bewohner findet nämlich im Dorf auch Arbeit, sei es als selbstständiger Unternehmer (z.B. im Handwerk und Gartenbau) dem schon allein der Bedarf der Dorfbewohner ein bescheidenenes Auskommen sichert und der eher selten noch Kapazitäten für Aufträge von ausserhalb übrig hat, oder etwa als Angestellter der dorfeigenen Genossenschaft. Eine weitere wichtige Einkunftsquelle ist der Seminarbetrieb, weshalb ein routinierter Umgang mit Besuchern, Gästen und Seminarteilnehmern gang und gäbe ist. Darin liegt auch ein Potential, neue Leute kennenzulernen und neue, zukünftige Dorfbewohner zu gewinnen, zumindest, solange die angepeilte Zielgröße von etwa 300 noch nicht erreicht ist. Daraus resultiert ein gemächliches aber kontinuierliches und quasi organisches Wachstum der Gemeinschaft.

Und Gemeinschaft wird hier natürlich großgeschrieben, immerhin besteht ein gewisser Teil der besonderen Effizienz des Dorfes darin, das sich die Bewohner bestimmte zentrale Einrichtungen, wie z.B. die Gemeinschaftsküche, Lager- und Vorratshaltung (z.B. für Nahrungsmittel und Brennholz), eine Waschküche, das Seminarhaus und vieles mehr (achja, nicht zu vergessen das Car-Sharing) miteinander teilen.

Gemeinschaftsraum

Gemeinschaftsraum

Und vermutlich auch einen gewissen Teil der Weltanschaungen, wobei es aber m.E. so ist, das ebensoviel Wert auch auf indivudelle Freiräume gelegt wird, was sich z.B. in den Hausgemeinschaften niederschlägt.

Sieben Linden ist konzeptionell so ausgelegt (oder hat sich einfach im Laufe der Zeit dahin entwickelt) das es einen großen Rahmen bildet, innerhalb dessen es einen öffentlichen Raum gibt, also etwa die gemeinschaftlichen Einrichtungen, mit bestimmten Regeln die ein konstruktives Miteinander ermöglichen. Und dann gibt es noch die vielen individuellen Räume, die etwa durch die Wohnhäuser und ihre Hausgemeinschaften repräsentiert sind und wo letztere ihre eigenen Regeln und Lebensmodelle etablieren können. Hier ist natürlich eine höhere Kompatibilität der einzelnen Personen erforderlich bzw. lassen sich auch Rollen-Modelle wie “Familie” oder einfach nur “Haushalt” gut abbilden.

Die Gemeinschaft als ganzes erscheint mir trotz mancher weltanschaulicher Gemeinsamkeiten insgesamt aber durchaus heterogen, d.h., es handelt sich hier m.E. nicht etwa um eine auf einen gemeinsamen religiösen oder esoterischen Fokus ausgerichtete und gleichgeschaltete Gruppe (zumindest sofern man “Nachhaltigkeit” nicht als Religion sondern als Strategie definiert). Damit will ich aber nicht ausschliessen, das die Naturnähe und die ganze Atmosphäre des Projektes bzw. des Dorfes einer spirituellen Entwicklung und Reflexion förderlich sind, die eigentlich auch ganz gut zum Seminarbetrieb passen. Wenn etwa der Inhalt eines Workshops mit dem, was man selbst glaubt und lebt gut zusammenpasst, dann wird er dementsprechend authentisch sein.

Workshop

Workshop

Ich als oberflächlicher Besucher fühlte mich damit aber nicht weiter in besonderem Maße konfrontiert, nur einmal hörte ich entfernte Didgeridoo-Klänge die wohl aus dem Seminarhaus kamen. Aber ansonsten erschien mir die Situation einfach nur von einer ganz alltäglichen Normalität geprägt zu sein. Die Menschen denen ich begegnete sind trotz der in mancher Hinsicht aussergewöhnlichen Umstände einfach ganz normale Leute, nur dass sie sich halt stärker als andere Zeitgenossen darum bemühen ein Modell für ein nachhaltiges und angenehmes Zusammenleben aktiv zu entwickeln, bei dem die eigene Umgebung besonders kreativ und konstruktiv gestaltet wird. Viele haben dort wirtschaftlich gesehen zwar ihr Auskommen, sind aber nach den üblichen Maßstäben nicht besonders reich. Sie fühlen sich aber dabei keineswegs arm, da sie in vielerlei Hinsicht einen besonderen Luxus geniessen können (und sich dessen auch bewusst sind), den die meisten anderen in der Gesellschaft nicht haben. Das kann man wohl als win-win-Situation einstufen 😉

Die ganze Atmosphäre erinnerte mich ein bischen an einen ruhigen Urlaub auf der dänischen Halbinsel Römö, das mag aber auch daran gelegen haben, das es ein Sonntag war und man kennt ja diese typische entspannte Sonntag-Nachmittag-Stimmung 😉 Gleichzeitig gab es für mich aber auch sehr vielschichtige Eindrücke mitzunehmen und zu analysieren … sehr viele Sachen bei denen ich zweimal und genauer hinschauen musste um dann viele interessante Details zu entdecken, die aber im Umgebungskontext widerum völlig normal erschienen, wie bereits erwähnt.

Blick von Osten mit idyllischer Atmosphäre

Blick von Osten mit idyllischer Atmosphäre

Im Hinblick auf OSEG und insbesondere die OpenEcoLabs und zukünftige Community-Projekte kann ich als Fazit ganz klar und eindeutig feststellen, das man von Sieben-Linden extrem viel lernen kann.

Viele Ideen, Ansätze und Ideale, denen man im OSEG-Umfeld immer wieder begegnet, sind hier bereits in die Tat umgesetzt und weiterentwickelt worden und werden im Alltag praktisch gelebt. Dabei haben die Sieben-Lindener sicherlich auch manchen Prozess durchlaufen und manches Lehrgeld zahlen müssen, aber die Sache scheint inzwischen schon sehr routiniert zu laufen und gut zu funktionieren – was schliesslich das Wichtigste ist.

OSEG: DoroDango Workshop im OpenEcoLab Rahden

Letzte Woche trafen sich Achmed, Timm und ich (Oliver) im OpenEcoLab Rahden zu einem Orientierungs- und Brainstorming-Meeting, welches wir in Form eines DoroDango-Workshops abhielten.

Das Ganze kann verstanden werden, als eine Art bewusstem Gegen-Entwurf zu den sogenannten “Design Sprints”. Die Idee bei jenen ist, durch höchst konzentrierte Zusammenarbeit einer größeren Anzahl von möglichst high-skilled Teilnehmern in der gegebenen kurzen Zeit einen größtmöglichsten Progress in aktuellen Konstruktions- und Designs-Prozessen zu erzielen.

Bei unserem DoroDango-Workshop haben wir aber quasi dieses Pferd ganz gezielt von hinten aufgezäumt. Bei einem vorangegangenen Meeting rund 1 Jahr zuvor war die Erfahrung, das es zwar ein tolles Treffen war, aber insgesamt schien die Zeit viel zu kurz (trotzdem wir auch die Nächte halb durchgemacht hatten) um alles was wir uns vorgenommen hatten zu zeigen, zu besprechen und weitere Tagesordnungspunkte abzuarbeiten. Anders gesagt, es war zwar schön … aber auch stressig.

Das sollte diesmal grundlegend anders werden.

Daher hatten wir uns nun a priori mehr Zeit genommen. Und einen anderen Plan: Anstatt uns die Todo-Liste vollzupacken gab es nur zwei Punkte:

1. Erst mal völlig entspannen und loslassen, in angenehmer Atmosphäre, unterstützt durch kulinarische Genüsse und erst mal runterkommen vom Alltagsstress, das Beisammensein geniessen und einfach nur Zeit haben. Auch für triviale Gesprächsthemen, die nicht unbedingt immer was mit OSEG zu tun haben müssen sondern auch privater Natur sein können – kurzum: Entschleunigung und Wohlbefinden waren hier die vorrangigen Etappenziele.

2. Aus Lehm einfach nur mit unseren Händen eine Kugel formen, die solange gerieben und mit Lehmpulver bestreut wird, bis sich eine glänzende Oberfläche ergibt, die fast so wirkt als hätte die Kugel eine Glasur.

Diese Technik kommt – wie könnte es auch anders sein – natürlich aus Japan ;). Dort werden solche Kugeln bereits von Kindergarten-Kindern oder in der Grundschule geformt und über viele Stunden hinweg bearbeitet und behandelt. Vermutlich sollen die Kinder dadurch Geduld und Ausdauer lernen wobei die Übung am Ende auch noch mit einem Erfolgserlebnis – nämlich der schönen Kugel – verbunden ist.

DoroDango – Kugeln aus Lehm

Für uns als Mitglieder des OSEG-Teams hatte die Sache noch einen ganz besonderen Reiz aufgrund ihrer hohen Symbolkraft: Wir sind alle drei absolut grundverschiedene Vertreter unterschiedlicher Altersklassen, Temperamente, Vorlieben und Abneigungen und leben an voneinander weit enfernten Orten. Es gibt also ausser OSEG vordergründig betrachtet erst mal nichts, was uns ansonsten miteinander verbindet.

Aber irgendwie haben wir es (insbesondere in den letzten zwei, drei Jahren) geschafft, uns trotzdem zusammenzuraufen und gerade diese Unterschiede in einen Vorteil im Sinne einer komplementären Ergänzung umzumünzen. Jeder von uns agiert eigentlich völlig eigenständig, aber irgendwie ziehen wir dennoch an einem gemeinsamen Strang. Und haben eine gewisse Art entwickelt uns sozusagen gegenseitig die Bälle zuzuspielen – was natürlich sehr schön zu dem DoroDango-Thema passt … aber ich erwähnte ja schon, das dieses eine hohe Symbolkraft aufweist 😉

Jedenfalls haben wir es damit nicht nur geschafft OSEG durch die schwierigen Anfangszeiten zu bringen, sondern auch noch eine Weiterentwicklung stattfinden zu lassen, wie etwa die Meisterung der “Server-Krise”, Verbesserung unserer Internet-Infrastruktur (sehr wichtig für unsere Kommunikation, immerhin ist OSEG “physisch” über ganz Deutschland verstreut), Gründung des Vereins, Präsenz auf diversen Events und Veranstaltungen (und sonstiger Öffentlichkeitsarbeit), Community-Bildung, Profilierung der OpenEcoLabs, Etablierung regelmäßiger Meetings wie dem OThing und dem Admin-Meeting, Vernetzung mit anderen OSE- und artverwandten Gruppen (sowohl hierzulande, als auch im näheren europäischen Raum länderübergreifend) und natürlich auch die Arbeit an den jeweiligen OpenHardware-Projekten.

Wobei ich an dieser Stelle betonen muss, dass für all Dieses auch die Beteiligung und die Mitarbeit etlicher weiterer Personen, denen dafür ebenfalls Kudos gebühren, entscheidenden Anteil hatten. Und erfreulicherweise nimmt die Anzahl der Personen im OSEG-Team seit einiger Zeit stetig zu.

Das alles wollten wir innerhalb unseres Workshops eben dadurch zum Ausdruck bringen, dass nicht jeder seine eigene Lehmkugel knetet, sondern die Kugel von Hand zu Hand wandert und jeder einen Teil dazu beiträgt (während die jeweils anderen beiden die Hände frei haben !)

Ausserdem schien es mir einen gewissen Coolness-Faktor zu haben, wenn man im Nachhinein den Inhalt des Workshops beschreiben könnte mit “Oooch, wir ham halt ne ruhige Kugel geschoben” 😉

Dabei ist das eine glatte Untertreibung, denn mitunter ergaben sich bei dieser Tätigkeit höchst dramatische Momente, wie etwa, als wir merkten, das dass, was in den ganzen Youtube-Videos von japanischen Kindern so spielerisch leicht aussieht in Wahrheit gar nicht so easy sondern ganz schön tricky ist … bei uns entstand nämlich anfangs immer ziemlich schnell eine feste äussere Schale, die dann aber leider auch sehr schnell Brüche, oder “Cracks” (wie es im Fachjargon heisst) aufwies.

Das aber drei gestandene Ingenieure und Wissenschaftler nicht in der Lage sein sollten, etwas hinzubekommen, was anderswo schon im Kindergarten praktiziert wird …, also, diese Schmach wollten wir natürlich auch nicht gern auf uns sitzen lassen 😉 😉

Interessanterweise war es dann so, dass wir der Lösung auch wieder nur durch Zusammenarbeit nahe kamen … mal hatte der eine noch eine Idee, die uns einen Teilschritt weiterbrachte und mal der andere. Und sobald mal Zwei von uns weich waren konnte dann der Dritte wieder nicht die Hände von der Kugel lassen 😉

So haben wir dann in mehreren Schritten ein paar Knackpunkte geknackt und das Ziel gemeinsam erreicht. Wir haben dazu auch ein kleines Anleitungsvideo gemacht, was zu finden ist unter diesem YoutubeVideo:

Ausserdem haben wir noch ein weiteres Video gedreht, welches eher so allgemeine Impressionen von der Atmosphäre des Workshops enthält und hier betrachtet werden kann:

Darin gelangen auch hin und wieder die kulinarischen Aspekte mit ins Bild. Ich bin schon seit Jahren ein Fan der japanischen Küche und ganz besonders inspiriert von einer Ausrichtung namens “Shojin Ryori”, das ist eine über Jahrhunderte hinweg in Zen-Klöstern entwickelte vegetarische Tempelküche, also quasi das, wovon sich buddhistische Mönche in Japan ernähren. Und was somit auch stilistisch gut zu unserem Workshop passte 😉 Ich hatte dazu bereits im Vorfeld einen sich über mehrere Tage erstreckenden und bis ins Detail ausgearbeiteten Menüplan erstellt und dann tatsächlich auch geschafft, diesen nahezu vollständig in die Tat umzusetzen. Worin für mich zunächst eine nicht unbeträchtliche logistische Herausforderung bestand, deren entspannte Bewältigung mich im Nachhinein mit einer ganz besonderen Zufriedenheit erfüllt 😉

Aber ehe nun einer meint, wir hätten die ganzen Tage nur Spökes getrieben und niederen irdischen Genüssen gefrönt, muss ich ausdrücklich darauf hinweisen, das wir obwohl (oder vielleicht auch gerade weil 😉 ) wir uns vorher in unserer Agenda auf nichts dergleichen festgelegt (aber andererseits auch nichts ausgeschlossen) hatten, dennoch massig Zeit für konstruktive Arbeit in Sachen OSEG fanden, wie etwa Informationsabgleich, allgemeine Planung für 2017 und Entwurf kreativer Ideen und Projekte für die nähere Zukunft sowie auch intensive Konstruktionsarbeit und Weiterentwicklung des neuen “Next-Generation”-Prototyps der Zink-Luft-Zelle.

Aber letzteres ist ein ganzes Thema für sich und wird von mir beizeiten vielleicht nochmal in einem eigenständigen Blog-Artikel vorgestellt 😉

Jedenfalls ist der ganze Workshop super gelaufen und hat viel Spass gemacht … und wir haben die Kugel zum Glänzen gekriegt !

[Nachtrag: hier noch ein Video, welches zeigt, wie wir die hözernen Sockel gemacht haben]

SBMS100, NextGeneration of Solar BMS, Crowdfunding gestartet

Soeben ist auf Kickstarter eine Crowdfunding-Kampagne für die nächste Generation des Solar BMS mit der Bezeichnung SBMS100 gestartet.

acde01d8aa0060d685659a9afc2ed71b_original(c) Dacian Todea

SBMS100 Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter

Es handelt sich dabei um ein verbessertes und leistungsstärkeres Nachfolgemodell, des im letzten Jahr bereits erfolgreich ge-crowd-fundeten SBMS4080, von Electrodacus, aka Dacian Todea.

Die neue Version wird bis mit bis zu 3KWp-Solarpanels ( ~ 120A) etwa dreimal soviel wie das SBMS4080 handlen können. Bei dieser Größenordnung wäre eine LiFePo4-Speicherbank mit einer Kapazität bis zu 7.2 KWh, d.h., Zellen mit bis zu 300Ah passend und ausreichend um einen kleinen Haushalt mit Solarstrom zu versorgen.

Als BMS-Chip wird weiterhin der ISL94203 seine Dienste tun, allerdings wird für die Stromessung nicht mehr dessen interner ADC benutzt sondern ein externer 24-Bit ADC mit einer wesentlich feineren Messauflösung, d.h., genauer gesagt kommen derer gleich 3 Stück zum Einsatz. Da somit eine größere Anzahl von Input-Ports zur Strom-Messung verfügbar sind, werden einige davon auf dem Extension-Port nach aussen geführt und können vom User für eigene Zwecke bzw. für etwaige spätere AddOn-Module / Hardware-Erweiterungen genutzt werden.

Ein größeres und farbiges Display ist eine weitere Neuerung und ermöglicht eine ergonomische Verbesserung des User-Interfaces.

Der Preis des SBMS100 liegt bei ca. 280,- EUR, ohne Zoll und Einfuhr-Steuer und ist damit deutlich höher als beim SBMS4080, aber dafür hat man ja auch eine Verdreifachung der Leistung. Ansonsten gibts aber jetzt auch noch eine Staffelung in Form einer Modellreihe in niedrigeren Leistungsabstufungen und zu einem niedrigeren Preis.

Die Fertigstellung und Auslieferung ist für Oktober 2014 angekündigt.

Ich selbst bin ja seit einigen Wochen stolzer Besitzer eines SBMS4080 und bin gerade dabei, dieses zu testen. Da bislang Winter war und es noch nicht viel Sonne gab geht das jetzt erst so richtig los und ich kann demzufolge noch keine Langzeiterfahrungen berichten.

Aber was meine Erfahrungen bis hierher und überhaupt die ganzen Projekt-Features (z.B. OpenHardware) angeht, so bin ich bereits so hunderprozentigh von der Sache überzeugt das ich auch für das neue SBMS100 optieren bzw. dieses backen werde und mich schon auf die neue Version freue.

Ich befasse mich gerade ohnehin mit verschiedenen Möglichkeiten zur Visualisierung von SBMS-Daten und Monitoring von den ablaufenden Lade- und Entladeprozessen. Die dabei verwendeten und erstellten Tools lassen sich dann später natürlich auchbeim neuen SBMS100 einsetzen.

Ich werde darüber demnächst nochmal in einem gesonderten Blog-Eintrag berichten, aber hier vorab schon mal ein Sample-Bild.

sbms4h_balance

Darauf zu sehen ist die Einzelzellüberwachung, welche die Spannung von 4 Zellen misst, während ein Entladevorgang stattfindet.

Man kann auf dem Bild sehr schön den Low-Voltage-CutOff (LVC), also zu deutsch den Unterspannungsschutz, sehen: Sobald eine von den Zellen so gegen 2:40 Uhr einen Tiefstand von knapp 3V erreicht hat, schaltete der Entlade-Mosfet den Verbraucher ab, und anschliessend erholten sich die Zellen wieder etwas um sich auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren.

Dieser Schwellwert von 3V ist nicht fest implementiert, sondern kann vom User im Systemmenu voreingestellt werden auf einen Wert nach eignen Wünschen, was das System sehr flexibel und vielseitig macht. Na, soviel erstmal dazu. 😉

Wir bauen ein Lastenrad – OSEG Berlin

Hier die Neuigkeiten der Berliner Projektgruppe:

Wir haben uns entschieden einen 3-Rad-Vorderlader für das Netzwerk Lebensmittelretten.de (foodsharing) zu bauen.
Wir treffen uns regelmäßig und sind schon eine Gruppe mit einem festen Kern aus 6-10 Leuten und weiteren Interessierten. Wer mitmachen möchte kann immer gerne dazukommen!
Hier kann man sich in die MAILINGLISTE eintragen, dort gibt es Termine, Neuigkeiten usw.: Verteiler.

• Technisches:
Wir werden nach diesem Modell vorgehen und dieses anpassen: Bauanleitung.
In der Schüler-Fahrrad-Werkstatt werden wir das Rad bauen, wir haben dort ein WIG-Schweißgerät und sind schon am Üben.

• Kommunikation:
Wir werden uns zwischen Erpal und Co-munity entscheiden. Vielleicht ist das auch etwas für die Kölner?

Erpal ist ein high-end Project Management Tool, das so ziemlich alle Features hat, die einem nur irgendwie in den Kopf kommen, man kann es jedoch auch schlicht und einfach auf die notwendigen Funktionen beschränken. Man müsste es noch auf unserem Server installieren, aber wir haben die notwendigen Kapazitäten, die sich dafür bereit erklären, falls es von der Gruppe gewollt ist.
http://www.erpal.info/

co-munity ist ein etwas einfacher gehaltenes “social network for exchange and collaboration between movements, initiatives and research on degrowth, transition and agroecology.” Es hat alle Funktionen, die wir benötigen, ist einfach, übersichtlich und natürlich open source. Es wäre sofort (nach Anmeldung und Prüfung ähnlich wie bei riseup.net) einsetzbar und wir hätten die Option, die neue Version später auf unserm Server zu installiern.
http://co-munity.net/
bzw. der Nachfolger davon
http://openatrium.com/

• Dokumentation:
Wir möchten ein Team bilden, welches den Bauplan, aber auch den Prozess dokumentiert. Im Optimalfall werden wir dabei verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Z.B. können wir dabei den Showcase von knowable.org nutzen.

Wir suchen noch liebe Mitmenschen, die sich gerne in folgenden Bereichen einbringen wollen:
– Bau des Lastenrades selbst
– kümmern um Teaminternes und Pflegen des Kommunikationstools
– Dokumentation, also Fotografieren und Filmen und dann ggf. Zusammenschneiden, Seiten/Anleitungen erstellen
– um Öffentlichkeitsarbeit/PR kümmern

Außerdem haben wir als positiven Nebeneffekt einen Platz auf dem Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor in Tempelhof ermöglicht bekommen!

Weitere Projekte sind in Planung (Geodome, Windturbine, etc.), Priorität liegt für dieses Jahr jedoch auf der Fertigstellung des 3Rad-Vorderladers.